Yoga-Lebensführung

Einfache Regeln für die Lebensführung

-     Die erste Regel ist Freundlichkeit, d.h. Freundlichkeit gegenüber Gleichen.

-     Beziehung mit den Menschen um uns herum herstellen

-     Respekt und Verehrung gegenüber den Weisen

-     Mitgefühl gegenüber jenen, die nicht wissen

-     Wir sollten uns nicht mit Menschen einlassen, die schlecht handeln.

Von Menschen, die sich der Gesellschaft gegenüber unsozial verhalten,
die gegen die Gesetze der Gesellschaft verstoßen oder deren
Handlungen an Kriminalität grenzen, sollte man sich fernhalten.

Weitere Tugenden von Patanjali

Um in der Meditation weitere Fortschritte zu erzielen, gibt Patanjali weitere zwei Einheiten mit je 5 Prinzipien

-    Das erste Prinzip ist die Harmlosigkeit. Harmlosigkeit ist die große Tugend, die von Buddha verkündet wurde. Patanjali, der vor 10.000 Jahren lebte, gibt Harmlosigkeit gegenüber jedem Lebewesen als das oberste Prinzip des Lebens an. Buddha sprach davon 500 Jahre vor Christus und Pythagoras 300 Jahre vor Christus. Harmlosigkeit ist eine große Tugend für all jene, die dem Yogapfad folgen. Es bedeutet, andere nicht zu verletzen. Es ist ein Naturgesetz, dass alles wieder zu einem zurückkommt. Eure Taten guten Willens bringen guten Willen zurück.

-    Übereinstimmung von Gedanken, Sprache und Handlung
Was man innerlich denkt und was man ausspricht sollte übereinstimmen. Patanjali gibt eine einfache Lehre hinsichtlich der Sprache. Sie lautet:
- Sprich die Wahrheit und sprich sie angenehm aus
- Sprich die Wahrheit nicht auf unangenehme Weise aus
- Sprich die Unwahrheit nicht angenehm aus
-    Unterbinden des Instinktes zu stehlen
Stehlen bezieht sich nicht nur auf das rein physische Stehlen. Es gibt auch das intellektuelle und emotionelle Stehlen. Es gibt Stehlen auf der wirtschaftlichen Ebene. Heute besteht die Geschäftswelt zum großen Teil aus Diebstahl. Das Angebot sollte sich an der Nachfrage orientieren. Aber heutzutage erschafft die Geschäftswelt die Nachfrage und liefert das Angebot dazu. Die gesamte Geschichte der Menschheit besteht aus Stehlen, Stehlen und nochmals Stehlen.

-    Erweise anderen Menschen Gefallen, aber nehme nicht so viele Gefälligkeiten an, so dass du nicht gebunden wirst, sondern dich weiter entfalten kannst.
Biete deinen Mitmenschen Hilfe an, damit sie auch dir helfen. Entsprechend heißt es, biete auch den Devas an, damit du von den Devas erhältst. Je mehr man die Neigung in sich entwickelt, andern zu geben oder mit anderen zu teilen, desto mehr bewegen sich eure Energien nach oben.

-    Anziehungskraft zwischen der männlichen und weiblichen Energie.
Es ist dieselbe Energie, die für die Aufwärtsbewegung des Menschen notwendig ist. Daher empfiehlt er eine gemäßigte
Ausübung der Sexualität. Unterdrückt sie nicht, weil sie sonst zu einem Tornado-Effekt führen kann, aber seid auch nicht ausschweifend. Auf beiden Seiten führt dies zu Problemen.

Yoga-Pfad

Die fünf grundlegenden Verhaltensweisen auf dem Yoga-Pfad sind:

Richtiges Maß, falsches Maß, leeres Maß, Schlaf und Erinnerung
Dies sind die fünf grundlegenden Verhaltensweisen, auf denen das Verhalten beruht. Das Verhalten aller Lebewesen lässt sich auf diese fünf Ur-Einheiten zurückführen.

1.  Das richtige Maß: Symbol der Wahrnehmung
Wenn wir ein Buch lesen erwartet der Autor, dass wir ihn verstehen. Buchstaben, die Schrift des  Alphabets bilden das Maß, mit dem die Botschaft des Autors gemessen wird. Wenden Autor und Leser das gleiche Maß an, dann ist es das richtige Maß. Ebenso erwartet man von uns, dass wir das Verhalten und die Werte der Menschen und Dinge in unserer Umgebung richtig lesen und erfassen.

2.  Falsches Maß: Wenden wir das falsche Maß an, führen wir ein Leben voller Fehler und Irrtümer. Glauben wir, dass der Besitz von Geld reich macht, so ist es das falsche Maß

3.  Leeres Maß: Wenn wir lauthals nach Frieden schreien und unser Denken dabei aufgebracht ist, dann ist es ein leeres Symbol, da wir im Inneren nicht friedlich sind. Wenn Menschen den ganzen Tag kämpfen um glücklich zu werden, ist ihre Vorstellung vom Glück ein leeres Maß.

4.  Schlaf: Der Schlaf ist ein wichtiger Verhaltensaspekt. Er sollte richtig gebraucht werden.

5.  Erinnerung: Die objektive Wahrnehmung hinterlässt ihren Samen in den halb-subjektiven Schichten.

Die 10 Hindernisse, die uns auf dem Yogapfad begegnen

Die 10 Hindernisse, die uns auf dem Yoga-Pfad begegnen können, sind wie folgt:

1.    Krankheit
Wenn wir unseren täglichen Rhythmus, das heißt, das Gleichgewicht zwischen Arbeit, Stoffwechsel, Ruhe und Schlaf stören, werden wir krank. Sobald wir uns darauf konzentrieren, ist eine kontinuierliche Yogapraxis nicht möglich.

2.    Nachlässigkeit
Der Impuls mit dem wir starten lässt nach einiger Zeit nach. Auch nach jahrelanger Meditation sollten wir die Praxis mit derselben Entschiedenheit weiterführen. Das Denken tendiert dazu, alles mechanisch zu machen. Darin liegt eine Gefahr, die sich auch in die Meditationspraxis  einschleichen kann. Es wird empfohlen, all das, was wir tun mit tiefem Interesse zu machen.

3.    Zweifel weisen auf eine unnötige Überaktivität des Denkens hin. Zweifel ist eine Verbindung von etwas, das wir brauchen mit etwas, das wir nicht brauchen. Statt darüber nachzudenken, ob eine Idee richtig oder falsch ist, sollten wir sie entschieden zurückweisen, bis sie klar und eindeutig zu uns kommt.

4.    Fehler durch ein mangelhaftes Verständnis der Technik
Fehler beziehen sich auf das Denken oder Handeln. Fehler unterlaufen, wenn wir handeln, bevor die Notwendigkeit  dazu besteht. Denken wir schneller als erforderlich, machen wir Fehler. Ruhe bewirkt, dass eine Reise gut verläuft. Die Yogapraxis befreit uns von der Reaktion auf die Umgebung.

5.    Körperliche Trägheit bedeutet, dass der Körper zu langsam auf das Denken reagiert. Reagiert das Denken nicht auf eine Situation, handelt es sich um eine mentale Trägheit.
Beides lässt sich vermeiden, indem man völlig bewusst in der Gegenwart lebt

6.    Übermäßiges Genießen bedeutet, der Macht der Gewohnheit nachzugeben. Indem wir bewusst einen Schlussstrich ziehen und die alte Gewohnheit konsequent mit einer neuen Gewohn­heit ersetzen, folgen wir dem Yogapfad.

7.    Ablenkung durch Halluzinationen und Illusionen während der Meditationspraxis
Dabei handelt es sich nur eine Täuschung der psychologischen Werkzeuge. Das Denken und  die Sinne sind nur Werkzeuge und haben ihre eigenen Beschränkungen. In der Dunkelheit kann man ein Seil leicht für eine Schlange halten. Lassen wir das Spiel der Illusion nur im Rahmen des rechten Maßes zu, dann sind wir auf dem Yogapfad.

8.    Mangelnde Entschlossenheit und damit verbundene Enttäuschungen
Haben wir eine Situation nicht im Griff, bildet dies ein weiteres Hindernis. Wenn wir ein Yogi werden wollen, müssen wir beachten, was zu tun ist, wann es zu tun ist, und wann wir aufhören müssen.

9.    Mangelnde Zielstrebigkeit
entsteht durch zu viele nützliche Pläne, die man im Kopf hat. Ein Plan, wie nützlich er auch sein mag, ist solange falsch, bis er in die Tat umgesetzt wird. Sobald wir zu handeln beginnen, ändert sich unsere Umgebung zu unserem Vorteil.

10.  Enttäuschung durch die vorhergehenden neun Hindernisse

 

Yoga nach Patanjali

-Der achtfache Yoga-Pfad -

Die Lehre vom Raja Yoga, „die königliche Wissenschaft der Seele", wie sie von ihrem Hauptvertreter Patanjali dargelegt wurde, wird einmal im Abendland zu höchster Bedeutung kommen. Der Grund dafür ist die Tatsache, daß — nach dem Gesetz der Zyklen —die fünfte Stammrasse (in der fünften Zweigrasse) zwangsläufig den höchsten Stand erreichen muß. Ein Kennzeichen dafür, daß dieser Punkt in der methodischen Entwicklung der Rassen erreicht wurde, ist der richtige Gebrauch des Denkvermögens und das Bestreben der Seele, sich diese Fähigkeiten zunutze zu machen, um Gruppenziele zu erreichen und Gruppenbewußtsein auf der physischen Ebene zu entwickeln.

Bisher ist die Denkfähigkeit entweder für materielle Ziele mißbraucht oder aber vergöttert worden. Die Wissenschaft vom Raja Yoga wird die Erkenntnis bringen, daß die Denkfähigkeit das Instrument der Seele und das Mittel ist, um das Gehirn des Aspiranten zu erleuchten und Wissen über jene Dinge zu erlangen, die das Reich der Seele betreffen.

Da die Denkenergie das fünfte Prinzip ist, muß die fünfte Stammrasse (ebenfalls nach dem Gesetz der Entwicklung) besonders damit zu tun haben, und erst recht ihre fünfte Zweigrasse.

Alle die verschiedenen Yogasysteme haben in der Entfaltung des menschlichen Wesens ihre Berechtigung gehabt. Das System, das der ersten rein physischen Rasse, der sogenannten lemurischen, gegeben wurde, war Hatha Yoga, der zur bewußten Anwendung und Beherrschung der verschiedenen Organe, Muskeln und Teile des physischen Körpers führt. Für die Eingeweihten jener Zeit bestand das Problem darin, den Menschen, die damals wenig mehr als Tiere waren, die symbolische Bedeutung der menschlichen Gestalt sowie den Zweck, Sinn und Gebrauch der verschiedenen Organe zu lehren, um diese bewußt beherrschen zu können. Der Mensch jener Zeit erreichte daher das Tor der Einweihung durch die Ausübung des Hatha Yoga. Damals war die dritte Einweihung, die in der Verklärung der Persönlichkeit gipfelt, die höchste, die ein Mensch erreichen konnte.

In der atlantischen Zeit wurde der Fortschritt der Menschensöhne durch zwei Yogasysteme bewirkt. Erstens durch Laya Yoga, den Yoga der Zentren, der zur Stabilisierung des Ätherkörpers und der Zentren sowie zur Entfaltung der astralen und psychischen Natur des Menschen führte. Später wurde dann Bhakti Yoga, der aus der Entwicklung des emotionellen (oder astralen) Körpers hervorging, mit dem Laya Yoga verbunden; damit wurde die Grundlage für die Mystik und die Hingabe geschaffen, die seit dem Bestehen unserer arischen Stammrasse der zugrundeliegende Antrieb gewesen ist. Damals war die vierte Einweihung das erstrebte Ziel.

Bei der jetzigen arischen Rasse wird durch die Ausübung des Raja Yoga die Beherrschung des Mentalkörpers und Denkens erreicht; und die fünfte Einweihung, die des Adepten, ist jetzt das Ziel der sich entwickelnden Menschheit. So haben alle Yogasysteme ihren bestimmten Platz gehabt und einem nützlichen Zweck gedient. Es ist daher klar, daß eine Rückkehr zum Hatha Yoga oder zu den Praktiken, die sich besonders mit der Entfaltung der Zentren durch verschiedene Meditations- und Atemübungen befassen, in gewisser Hinsicht ein Rückschritt ist. Man wird die Erfahrung machen, daß durch Raja Yoga und durch bewußte Kontrolle von einem be­stimmten Punkt aus, der von dem Menschen gefunden werden muß, dessen Bewußtsein in der Seele ruht, die anderen Yoga-Arten unnötig geworden sind. Denn in den Ergebnissen des größeren Yoga sind automatisch alle Wirkungen der niederen Systeme inbegriffen, nicht aber deren Praktiken.

Beim Studium des Raja Yoga wird uns klar werden, warum die Zeit der günstigen Gelegenheit erst jetzt gekommen ist. Der Osten hat seit unvordenklichen Zeiten diese Regeln für uns aufbewahrt. Hin und wieder haben Orientalen (und einige westliche Eingeweihte) sich diese Regeln zunutze gemacht und haben sich dieser Wissenschaft der Selbstdisziplinierung, die hohe Anforderungen stellt, unterworfen. So ist der Menschheit die Geheimlehre, die uralte Weisheit erhalten geblieben, und so wurde das Personal der Hierarchie unseres Planeten gewonnen. Zur Zeit des Buddha vergrößerte sich durch den Antrieb, den ER hervorrief, die Schar der Arhats. Das waren Menschen, die durch eigene Anstrengung die Befreiung erlangt hatten. Diese Periode in unserer arischen Rasse be­deutete einen Höhepunkt für den Osten. Seitdem ist die Flut geistigen Lebens beständig westwärts geströmt, und wir dürfen nun eine entsprechende Steigerung im Westen erwarten, die ihren Höhepunkt in den Jahren zwischen 1965-2025 erreichen wird. Die Eingeweihten des Ostens und des Westens arbeiten auf dieses Ziel mit vereinten Kräften hin, denn sie folgen immer dem Gesetz.

Dieser kommende Impuls ist (wie derjenige zur Zeit Buddhas) ein Antrieb des zweiten Strahls. Er hat keine Beziehung zu irgend­einem Antrieb des ersten Strahls, wie etwa zu jenem Impuls; der H. P. Blavatsky hervorgebracht hat. Impulse des ersten Strahls entstehen im ersten Viertel eines jeden Jahrhunderts und erreichen im letzten Viertel ihren Höhepunkt auf der physischen Ebene. Das Interesse, das man dem Raja Yoga jetzt entgegenbringt, das Studium dieser Wissenschaft und der Regeln, die sie für die Entfaltung des Menschen aufstellt, sind typische Anzeichen für die allgemeine Tendenz dieses aufkommenden Antriebs des zweiten Strahls. Dieses Interesse wird immer stärker werden, und so wird die Zeit der günstigen Gelegenheit kommen.

 

Yoga-Arten

Welche Arten von Yoga gibt es und wann waren sie für die Entwicklung der Menschen von Bedeutung?

Es gibt drei wesentliche Arten von Yoga. Alle anderen so genannten «Yogas» lassen sich einer dieser drei Gruppen zuordnen:
1. Raja Yoga:
    der Yoga des Denkens oder Willens.
2. Bhakti Yoga:
    der Yoga des Herzens oder des Mystikers,
    dessen Herz von glühender Liebe zu Gott erfüllt ist.
3. Karma Yoga:
    der Yoga des wirksamen Tätigseins.

Raja Yoga umfasst alle anderen vorhergehenden Yoga-Systeme einschließlich ihrer Errungenschaften. Der Raja Yoga fasst das Werk der Entwicklung zusammen und krönt den Menschen zum König. Dieser Yoga ist die große Wissenschaft unserer heutigen Zivilisation oder Stammrasse.

Bhakti Yoga ist der Yoga des Herzens. Alle Gefühle, Wünsche und Empfindungen werden dem einen Geliebten, der im Herzen erlebt und erkannt wird, untergeordnet. Er beinhaltet die Sublimierung aller Liebesgefühle und die Ausrichtung allen Sehnens und Begehrens auf das eine Verlangen, nämlich den Gott der Liebe und die Liebe Gottes kennen zu lernen. Bhakti Yoga war die «königliche» bzw. höchste Wissenschaft der letzten Stammrasse, der atlantischen, und der Yoga des Herzens, des Astralkörpers.

Karma Yoga hat eine Beziehung zur Tätigkeit auf der physischen Ebene. Er ist bestrebt, alle inneren Impulse in der äußeren Welt zu verwirklichen. In seiner frühesten und einfachsten Form war er der Yoga der dritten oder lemurischen Stammrasse, und seine beiden bekanntesten Ausdrucksformen sind:
a. Hatha Yoga.
b. Laya Yoga.
Hatha Yoga bezieht sich insbesondere auf den physischen Körper, dem bewussten (nicht unterbewussten und automatischen) Funktionieren und mit allen verschiedenen Anwendungen, die dem Menschen die Herrschaft über seine Organe und den gesamten mechanischen Apparat des physischen Körpers geben.
Der Laya Yoga befasst sich mit dem Ätherkörper, mit den Kraftzentren oder Chakras, die sich in diesem Körper befinden, mit der Lenkung der Kraftströmungen und dem Erwecken des Schlangenfeuers.
Wenn wir den menschlichen Körper in drei Abteilungen einteilen, könnte man folgendes sagen:
1. Karma Yoga bewirkte das Erwachen der Zentren unterhalb des Zwerchfells.
2. Bhakti Yoga bewirkte ihre Umwandlung und Verlegung in die zwei Zentren oberhalb des
    Zwerchfells - in das Herz - und Kehlzentrum.
3. Raja Yoga hingegen fasst alle Kräfte des Körpers im Kopf zusammen, und von da aus
    werden sie verteilt und gelenkt.
    Dies ist die Methode die in unserer Zeit zur Anwendung kommen soll.

 

Wege der Jüngerschaft

Beschreiten des Weges und Erwecken der Zentren

Ein Auszug aus dem Buch “Eine Abhandlung über weiße Magie“
von Alice Bailey, Kapitel XIV:

Jüngerschaft ist eine Synthese von harter Arbeit, intellektueller Entfaltung, beharrlichem geistigem Streben und geistiger Orientierung; dazu kommen die seltenen Qualitäten positiver Harmlosigkeit und des offenen Auges, das nach Belieben in die Welt der Wirklichkeit hineinschaut.

Es sollten dem Jünger bestimmte Überlegungen nahe gebracht werden, die wir um der Klarheit willen aufzählen wollen. Um ein Adept zu werden, muss der Jünger folgenden Geboten gehorchen:

1. Erforsche den Weg.

2. Gehorche den inneren Impulsen der Seele.

3. Kümmere dich nicht um weltliche Überlegungen oder Rücksichten.

4. Führe ein Leben, das anderen als Beispiel dient.

Diese vier Forderungen mögen beim ersten oberflächlichen Lesen leicht erfüllbar klingen; wenn man sie jedoch sorgfältig studiert, so wird es deutlich werden, warum ein Adept «die seltene Blüte einer Generation suchender Menschen» ist. Wir wollen einmal diese vier Punkte nacheinander durchgehen.

1. Erforsche den Weg. Von einem Meister wird uns gesagt, dass aus einer ganzen Generation Suchender vielleicht nur ein Adept hervorgeht. Warum sollte das so sein? Aus zwei Gründen:

Erstens ist der wahre Forscher ein Mensch, der über die Weisheit seiner ganzen Generation verfügt, der das Beste ist, was [584] seine eigene Zeit hervorgebracht hat, und der doch unbefriedigt bleibt, denn sein inneres Verlangen nach Weisheit ist ungestillt. Es wird ihm klar, dass es etwas Wichtigeres gibt als alles Wissen, etwas, das grössere Bedeutung hat als alle Erfahrung seiner eigenen Epoche und Zeit zusammengenommen. Er erkennt eine weitere Stufe und versucht, sie zu ersteigen, um etwas zu gewinnen, das er zu dem bereits von seinen Gefährten erworbenen Anteil hinzufügen kann. Nichts befriedigt ihn, ehe er nicht den Weg findet, nichts stillt das Verlangen im Zentrum seines Wesens, als nur das, was er im Haus seines Vaters findet. Er wird zu dem, was er ist, weil er alle geringeren Wege erprobt und sie als unzureichend befunden hat, weil er vielen Führern gefolgt ist und herausfand, dass sie «blinde Führer der Blinden» waren. Es bleibt ihm nichts übrig, als sein eigener Führer zu werden und seinen Weg nach Hause allein zu finden. In der Einsamkeit, die das Los eines jeden wahren Jüngers ist, wird jene Selbsterkenntnis und jenes Selbstvertrauen geboren, die ihn wiederum befähigen, ein Meister zu werden. Diese Einsamkeit ist nicht einer absondernden Geisteshaltung, sondern den Bedingungen des Weges selbst zuzuschreiben. Die Aspiranten müssen diesen Unterschied sorgfältig beachten.

Zweitens ist der echte Forscher ein Mensch, dessen Mut von jener seltenen Art ist, die den Besitzer befähigt, aufrecht dazustehen und seinen eigenen klaren Ton inmitten der Unruhe der Welt erklingen zu lassen. Es ist ein Mensch, dessen Auge so geschult ist, dass es über die Nebel und Dünste der Erde hinweg auf jenes Zentrum des Friedens schauen kann, das über allen irdischen Geschehnissen steht; er hat das geübte, aufmerksame Gehör, das (nachdem er einmal das Flüstern der Stimme der Stille vernommen hat) auf diese hohe Schwingung abgestimmt bleibt und somit allen geringeren, verlockenden Stimmen gegenüber taub ist. Auch das bringt wieder Einsamkeit und führt zu jenem Abstand, den alle weniger entwickelten Seelen in der Gegenwart von Menschen spüren, die ihnen voraus sind.

Eine paradoxe Situation entsteht durch die Tatsache, dass dem Jünger gesagt wird, er solle den Weg erforschen, und doch ist niemand da, der ihm etwas darüber sagen würde. Diejenigen, die den Weg kennen, dürfen nicht sprechen, denn sie wissen, dass der Pfad vom Aspiranten erbaut werden muss, so wie die Spinne aus dem [585] Mittelpunkt ihres eigenen Wesens heraus ihr Netz spinnt. So entfalten sich in jeder Generation nur jene Seelen zu Adepten, die allein durch die «Kelter des göttlichen Zornes geschritten sind», oder die - mit anderen Worten - ihr Karma allein abgetragen und einsichtsvoll die Aufgabe übernommen haben, den Pfad zu betreten.

2. Gehorche den inneren Impulsen der Seele. Die Lehrer der Menschheit unterrichten den angehenden Eingeweihten wohlweislich darin, das Unterscheidungsvermögen zu üben; sie schulen ihn in der mühsamen Aufgabe, zu unterscheiden zwischen:

a. Instinkt und Intuition.

b. Höherem und niederem Denken.

c. Verlangen und geistigem Impuls.

d. Egoistischem Streben und göttlichem Antrieb.

e. Dem von den Lunarherren ausgehenden Drang und der Entfaltung des Sonnenherrn.

Es ist keine leichte oder schmeichelhafte Aufgabe, sich selbst zu ergründen und zu entdecken, dass vielleicht sogar der Dienst, den wir geleistet haben, und unser Verlangen, zu forschen und zu wirken, im letzten Grund einer egoistischen Haltung entsprang und auf dem Wunsch nach Befreiung oder auf der Unlust beruht, eintönige Alltagspflichten zu erfüllen. Derjenige, der den Impulsen der Seele gehorchen will, muss im Zusammenfassen von Tatsachen genau sein und eine Wahrhaftigkeit gegen sich selbst pflegen, was heute wirklich noch sehr selten ist. Er sollte sich sagen: «Ich muss gegen mein eigenes Selbst wahrhaftig sein», und er soll auch in den Augenblicken seines Lebens, die ihm allein gehören, und in der Verschwiegenheit seiner eigenen Meditation keinen Fehler beschönigen, noch sich in irgend einer Hinsicht entschuldigen wollen. Er soll lernen, seine eigenen Worte, Taten und Motive prüfend zu erkennen und die Dinge beim richtigen Namen zu nennen. Nur so wird er sein geistiges Unterscheidungsvermögen schulen und die Wahrheit in allen Dingen erkennen lernen. Nur so kann er zur Wirklichkeit durchdringen und das wahre Selbst erkennen.

3. Achte nicht auf die gescheiten Überlegungen weltlicher Wissenschaft und weltlicher Klugheit. Wenn der Aspirant in sich die Fähigkeit heranbilden muss, allein zu gehen, wenn er die Kraft [586] entwickeln muss, in allen Dingen wahrhaftig zu sein, so ist es für ihn ebenso nötig, seinen Mut auszubilden. Er wird der Meinung der Welt konsequent entgegentreten müssen, auch wenn sie sich in der besten Weise äussert; und dies wird immer wieder notwendig sein. Er muss lernen, das Rechte zu tun, so wie er es sieht und erkennt, ohne Rücksicht auf die Meinung auch der grössten und meistgenannten Menschen der Erde. Er muss sich auf sich selbst verlassen und den Beschlüssen folgen, die er selbst in den Augenblicken geistiger Kommunion und Erleuchtung gefasst hat. Gerade hier versagen so viele Aspiranten. Sie handeln nicht nach bestem Wissen; es gelingt ihnen nicht, bis ins einzelne so zu handeln, wie es ihnen die innere Stimme sagt; sie lassen bestimmte Dinge ungetan, zu denen sie in ihren Meditationsaugenblicken veranlasst wurden, und sprechen nicht das Wort, das ihr geistiger Ratgeber, das Selbst, sie zu sprechen drängt. Aus der Anhäufung all dieser unerfüllten Einzelheiten ergeben sich dann die grossen Misserfolge.

Es gibt im Leben eines Jüngers keine Lappalien, und ein ungesprochenes Wort, eine nicht ausgeführte Handlung können sich als der Umstand erweisen, der den Menschen von der Einweihung abhält.

4. Führe ein Leben, das anderen zum Beispiel dient. Ist es nötig, darauf näher einzugehen? Es scheint, als ob dies nicht sein müsste, und doch versagen die Menschen auch hier wieder. Was ist überhaupt Gruppendienst? Einfach das beispielhafte Leben. Derjenige Mensch ist der beste Repräsentant der Ewigen Weisheit, der jeden Tag, auf dem Platz, wo er steht, das Leben des Jüngers führt; er führt es nicht dort, wo er seiner Meinung nach stehen sollte. Vielleicht ist die Feigheit überhaupt die Eigenschaft, aus der die meisten Misserfolge bei den Aspiranten zur Meisterschaft entspringen. Die Menschen versäumen es, sich dort zu bewähren, wo sie stehen, weil sie irgendeinen Grund finden, der ihnen die Meinung eingibt, sie müssten an anderer Stelle stehen. Die Menschen laufen, meist ohne das klar zu erkennen, vor Schwierigkeiten, vor unharmonischen Zuständen, vor problematischen Situationen und vor Umständen davon, die nach Taten höherer Art verlangen und die dazu bestimmt sind, aus dem Menschen das Beste, das in ihm [587] liegt, herauszuholen, vorausgesetzt, dass er durchhält. Die Menschen fliehen vor sich und anderen, anstatt einfach ihr Leben zu leben.

Der Adept spricht kein Wort, das verletzen, Schaden anrichten oder verwunden könnte. Darum hat er die Bedeutung der Sprache inmitten der Unruhen des Lebens lernen müssen. Er verschwendet keine Zeit an Selbstbedauern oder Selbstrechtfertigung, denn er weiss: das Gesetz hat ihn dorthin gestellt, wo er ist, und wo er am besten dienen kann; er hat gelernt, dass die Schwierigkeiten immer vom Menschen selbst verschuldet und das Ergebnis seiner eigenen gedanklichen Einstellung sind. Wenn ihn der Wunsch ankommt, sich selbst zu rechtfertigen, so erkennt er dies als eine Versuchung, die er meiden muss. Er erkennt, dass jedes gesprochene Wort, jede vollzogene Tat, jeder Blick und jeder Gedanke eine Wirkung zum Guten oder Bösen auf die Gruppe ausübt.

Wird daraus nicht deutlich, warum so wenige Erfolg haben und so viele versagen?

Die Erweckung der Zentren.

Es gibt viel Verwirrung und viele falsche Lehren über die Zentren, wodurch viele Studierende in die Irre geführt und viele Missverständnisse hervorgerufen werden. Zuerst möchte ich erklären, dass niemals eine Bemühung zur Erweckung der Zentren unternommen werden sollte, solange sich der Aspirant unverkennbarer Unreinheiten in seinem Leben bewusst ist, oder wenn der physische Körper in schlechtem Zustand oder krank ist. Ferner sollte diese Bemühung auch in dem Fall unterbleiben, wenn der Druck äusserer Umstände so stark ist, dass es keinen geeigneten Ort oder keine Gelegenheit für eine ruhige und ungestörte Arbeit gibt. Es ist wesentlich, dass man sich für die unmittelbare, konzentrierte Arbeit an den Zentren Stunden schafft, in denen man möglichst für sich allein und ungestört bleiben kann. Das kann ich nicht nachdrücklich genug betonen, und ich tue es, um dem eifrigen Schüler zu zeigen, dass es in dieser Epoche unserer Geschichte nur wenige Menschen gibt, deren Leben diese Zurückgezogenheit erlaubt. Das ist jedoch ein ausserordentlich günstiger und kein beklagenswerter Umstand. Nur einer unter tausend Aspiranten steht auf der Stufe, auf der er beginnen sollte, mit der Energie seiner Zentren zu wirken, und vielleicht ist selbst diese Schätzung zu optimistisch. Viel besser ist es, wenn der Aspirant dient, liebt und arbeitet, sich in Zucht hält und es seinen Zentren überlässt, sich langsamer und darum sicherer zu entwickeln und zu entfalten. Entfalten werden sie sich unvermeidlich, und die langsamere und sichere Methode ist (in den allermeisten Fällen) auch die schnellere. Eine vorzeitige Entfaltung bringt viel Zeitverlust und oft die Keime längerer Beschwerden mit sich.

Eine der Folgen, die sich aus der durch einen Willensakt vollzogenen Verschmelzung der Feuer ergeben, die im menschlichen Körper kreisen, ist notwendigerweise eine Überreizung der Gehirnzellen. Eine solche Überreizung kann zu Geisteskrankheit und zum Zusammenbruch des Zellgewebes im Gehirn führen, und durch die Überaktivität des Zellenlebens kann es auch zu jener inneren Reibung zwischen den Zellen kommen, die sich dann in Abszessen und Gehirntumoren äussert. Dies kann nicht eindringlich genug wiederholt werden.

Das aller Laya-Yoga-Arbeit (oder der Arbeit an den Zentren) zugrundeliegende Ziel beruht [591] auf der Tatsache, dass die Energie der Zellen, aus denen der Körper oder der Materieaspekt besteht, (sie wird in der «Geheimlehre» und in der «Abhandlung über kosmisches Feuer» als das «Feuer durch Reibung» bezeichnet), mit dem Feuer des Bewusstseins verschmolzen werden muss. Dieses letztere ist jene Energie, die zwar in der Materie anwesend ist, sich jedoch von dem Feuer der Materie selbst unterscheidet; sie liegt dem ganzen Nervensystem zugrunde, und eben deshalb bringt sie Empfindungsfähigkeit und Bewusstheit hervor. Sie ist die Ursache für die Reaktion auf einen Kontakt und verleiht - wie ihr wohl wisst - die Fähigkeit, Eindrücke zu registrieren und aufzuzeichnen. Dieses Feuer wird technisch das «Sonnenfeuer» genannt, und wenn es sich mit dem Feuer der Materie und mit dem «elektrischen Feuer» des höchsten göttlichen Aspektes vereinigt, kommt das Wesen des Menschen zu vollster Manifestation, und dann ist das grosse Werk vollendet. Aber es ist ein höchst gefährliches Unterfangen, wenn man diese Vereinigung herbeiführt, ehe der Mechanismus dafür bereit ist.

Diese dreifache Verschmelzung kann nur von dem hoch organisierten und abgerundeten Menschen gefahrlos unternommen werden, von dem, der die Fähigkeit errungen hat, seine Aufmerksamkeit im Kopf zu konzentrieren und von diesem hohen Punkt aus den ganzen Verschmelzungsprozess zu leiten. Dazu gehört die Fähigkeit, das Bewusstsein tatsächlich in den Ätherkörper zurückzuziehen, und doch gleichzeitig - in voller Bewusstheit - eine «Kontaktstelle» im Kopf beizubehalten und von diesem Punkt aus den Automaten, den physischen Körper, zu lenken. Wenn das erfolgreich verlaufen soll, dann setzt es im Körper bestimmte ätherische Gegebenheiten voraus. Eine davon ist das Durchbrennen oder die (teilweise oder ganze) Zerstörung aller Hindernisse längs der Wirbelsäule, die das freie Aufsteigen des Feuers an der Basis der Wirbelsäule, das für gewöhnlich das Kundalinifeuer genannt wird, aufhalten könnten; dieses Feuer ruht still, verborgen und entwicklungsbereit im niedersten Zentrum. Es ist «die schlafende Schlange, welche emporsteigen und sich aufrollen muss».

Ein jedes Zentrum an der Wirbelsäule ist von [592] dem darüber- und darunterliegenden durch ein verflochtenes Schutzgewebe getrennt, das aus einer eigenartigen Mischung von ätherischer und gasförmiger Substanz besteht. Dieses muss hinweggebrannt und zerstreut werden, bevor ein freies Spiel der Feuer des Körpers möglich ist. Ein vollständiges Netz von Nadis und Zentren liegt dem Nervensystem und dem endokrinen Drüsensystem zugrunde und ist dessen feinstoffliches Gegenstück. Ein wenig klares Nachdenken wird deshalb beweisen, welch ausserordentliche Sorgfalt nötig ist, denn offensichtlich ergibt sich damit eine direkte Wirkung auf den äusseren Apparat, und dieser wird wiederum ganz entschieden auf das einwirken, was die Psychologen das «Verhalten» nennen. Es gibt vier dieser geflochtenen, kreisförmigen «Gewebe», die zwischen den fünf Zentren an der Wirbelsäule folgendermassen angeordnet sind: 0 / 0 / 0 / 0 / 0; drei weitere befinden sich im Kopf. Diese drei teilen den Kopf in zwei Teile und bilden wie folgt eine Reihe von Kreuzen:

Dies ähnelt sehr dem Kreuz auf dem Union Jack (der Flagge Grossbritanniens), was für den Schüler immer eine esoterische Bedeutung hatte und einen bestimmten Punkt in der Menschheitsevolution anzeigt. Dieses Kreuz im Kopf trennt das Ajnazentrum das Zentrum zwischen den Augenbrauen) vom Kopfzentrum, denn es liegt hinter diesem Zentrum in der Stirne und bildet gleichzeitig einen Schutzschild zwischen dem Ajna- und dem Kehlzentrum.

Diese ätherischen Gewebe sind in Wirklichkeit Scheiben, die sich mit einer ganz bestimmten Geschwindigkeit drehen, die für die verschiedenen Zentren jeweils verschieden ist und der Entwicklungsstufe des betreffenden Zentrums entspricht. Erst wenn diese Gewebe durch die auf- und absteigenden Feuer verbrannt worden sind, kann man die wahren Zentren wirklich sehen. Viele Hellseher verwechseln die Zentren und deren schützende Hüllen miteinander, denn letztere haben eine eigene Strahlung und ihr eigenes Licht.

Wenn das Leben durch Läuterung und Zucht eine immer höhere Schwingung erreicht, veranlasst das Feuer der Seele, das tatsächlich das Feuer des Denkers ist, auch die Zentren dazu, ihre Schwingung zu erhöhen, und diese verstärkte Tätigkeit stellt einen Kontakt mit den Schutzgeweben oder den Scheiben aus pranischer Energie her, die sich auf jeder Seite der Zentren befinden. So werden [593] sie durch dieses Wechselwirken allmählich abgetragen und abgenutzt, so dass sie im Lauf der Zeit durchlöchert werden, wenn ich einen so unzulänglichen Ausdruck verwenden darf. Viele Aspiranten sind davon überzeugt, dass sie das Kundalinifeuer an der Basis der Wirbelsäule erweckt und emporgehoben haben und infolgedessen rasche Fortschritte machen, während sie lediglich erreicht haben, dass das Gewebe an der einen oder anderen Stelle längs der Wirbelsäule verbrannt oder «durchgerieben» ist. Ein Gefühl des Brennens oder des Schmerzes in irgendeinem Teil der Wirbelsäule ist in den meisten Fällen - wenn es nicht physiologische Ursachen hat - darauf zurückzuführen, dass das eine oder andere Gewebe infolge der Tätigkeit des mit ihm verbundenen Zentrums durchbohrt wurde. Dies geschieht bei Frauen häufig in bezug auf das Solarplexuszentrum, bei Männern in bezug auf das Sakralzentrum. Diese beiden Zentren sind - als Folge evolutionärer Entwicklung - ausserordentlich aktiv und hoch organisiert, denn sie sind Ausdruck der physisch-schöpferischen Natur sowie des Emotionalkörpers. Deshalb weist ein Gefühl des Brennens oder Schmerzes im Rücken gewöhnlich auf eine übermässige Tätigkeit in einem Zentrum hin, was auf den Schutzapparat zerstörende Wirkungen ausübt; es ist also kein echtes Anzeichen geistiger Entfaltung und Überlegenheit. Es könnte auf letzteres hindeuten, doch sollte man bedenken, dass dort, wo ein echtes geistiges Wachstum besteht, Schmerz und Gefahr in diesem Zusammenhang praktisch ausgeschaltet sind.

Es hat schon viel unnützes Gerede über das Hochziehen des Kundalinifeuers und viele Missverständnisse in dieser Angelegenheit gegeben. Ich möchte euch versichern, dass es sehr schwer emporzuheben ist, und dass dies nur durch einen bestimmten Willensakt und durch die intensive gedankliche Sammlung und konzentrierte Aufmerksamkeit des Menschen geschehen kann, der auf dem Thron des Bewusstseins im Kopf sitzt. Die Freimaurertradition hat die Lehre in ihrem schönen Ritual der Erhebung des grossen Meistermaurers klar erhalten. Erst wenn eine geeinte Anstrengung fünffacher Art besteht, und erst nach oftmaligem Misserfolg strömt das erfrischende [594] Leben durch den ganzen Körper und erweckt den wahren Menschen zum Dasein.

Der zweite Punkt, den ich berühren möchte, ist der, dass dieses ganze, zutiefst esoterische Tun nur unter der Leitung eines erfahrenen Lehrers vor sich gehen darf; als eine Binsenwahrheit wird dem Aspiranten gesagt: «Wenn der Schüler bereit ist, erscheint der Meister». Dann setzt er sich bequem hin und wartet, oder er konzentriert seine Aufmerksamkeit auf den Versuch, die Beachtung eines Meisters zu finden, da er in seinen Gedanken anscheinend überzeugt ist, dass er bereit oder gut genug sei. Er nimmt natürlich von Zeit zu Zeit einen geistigen Anlauf und widmet sich krampfhaft der Selbstzucht und Läuterung. Aber eine stetige, andauernde, unbeirrte Bemühung von seitens der Aspiranten ist in der Tat selten.

Es stimmt tatsächlich, dass im rechten Augenblick der Meister erscheinen wird, aber der rechte Augenblick hängt von bestimmten, selbst-veranlassten Bedingungen ab. Wenn der Läuterungsprozess zu einer das ganze Leben begleitenden Gewohnheit geworden ist, wenn der Aspirant sein Bewusstsein nach Belieben im Kopf konzentrieren kann, wenn das Licht im Kopf erstrahlt und die Zentren tätig sind, dann wird der Meister den Menschen an die Hand nehmen. In der Zwischenzeit erschaut er vielleicht ein geistiges Bild des Meisters, oder er mag eine Gedankenform des Meisters sehen und kann viel wirklich Gutes und manche Inspiration aus der Berührung mit der widergespiegelten Wirklichkeit gewinnen, aber das ist nicht der Meister, und es zeigt nicht die Stufe der angenommenen Jüngerschaft an. Mit Hilfe des Lichts der Seele kann man die Seele erfahren und erkennen. Sucht darum das Licht eurer eigenen Seele und erkennt in dieser Seele euren Führer. Wenn der Kontakt mit der Seele hergestellt ist, wird eure eigene Seele euch, wenn ich es so ausdrücken darf, eurem Meister vorstellen. Mit allem schuldigen Respekt möchte ich noch hinzufügen, dass der Meister nicht eifrig darauf wartet, eure Bekanntschaft zu machen. In der Seelenwelt ist seine Seele mit der euren verbunden; dort kennen beide die wesensmässige Einheit. Aber in der Welt menschlicher Angelegenheiten und im Fortgang des grossen Werkes sollte man daran denken, dass, wenn ein Meister einen Aspiranten in die Gruppe seiner Jünger [595] aufnimmt, dieser Aspirant für lange Zeit eine Verantwortung und oft sogar ein Hindernis ist. Die Schüler überschätzen sich sehr oft, auch wenn sie einen solchen Gedanken zurückweisen; subjektiv haben sie eine wirkliche Neigung zu sich selbst und machen sich häufig Kopfzerbrechen darüber, warum die Grossen ihnen kein Zeichen geben, noch ihnen zeigen, dass sie mit Sorgfalt über ihnen wachen. Sie tun es nicht und brauchen es solange nicht zu tun, bis der Aspirant vollen Gebrauch von dem Wissen gemacht hat, das er von geringeren Lehrern, aus Büchern und den gedruckten Schriften der Welt gewonnen hat. Die Schüler müssen sich ihren unmittelbaren Pflichten widmen und ihren Mechanismus für den Dienst in der Welt vorbereiten; sie sollten davon ablassen, ihre Zeit damit zu vergeuden, nach einem Meister auszuschauen; sie sollten dort nach Meisterschaft streben, wo sie jetzt versagt haben; dann erreichen sie vielleicht in einem Leben des Dienens und Ringens die Stufe so vollständigen Selbstvergessens, dass der Meister für seine Annäherung an sie kein Hindernis mehr findet.

Es gibt keine speziellen Anweisungen über die Erweckung der Zentren und die Verbrennung des ätherischen Gewebes, die zur Freimachung von Energie führt, geben kann. Eine solche Mitteilung ist zu gefährlich und zu interessant, als dass man sie in die Hände der allgemeinen Öffentlichkeit geben könnte, die von dem Verlangen nach irgend etwas Neuem getrieben wird, der aber die rechte Ausgeglichenheit und die notwendige gedankliche Entwicklung fehlt. Es ist jedoch die Zeit gekommen, da die Tatsache, dass es einen Energiekörper gibt, der dem Nervensystem zugrunde liegt, von der ganzen Welt anerkannt werden muss, dass das Wesen der sieben Zentren, ihr Aufbau und ihre Lage technisch begriffen und die Gesetze ihrer Entfaltung weithin bekannt werden sollten. Mehr als dies kann jedoch nicht gefahrlos mitgeteilt werden. Diese Wissenschaft von den Zentren ist zu schwierig und zu umfassend, als dass sie allgemein nutzbar gemacht werden könnte. Die Lehren, die gegeben werden müssen, sind in jedem Fall verschieden, und die Methoden, die man anwenden muss, hängen von zu vielen Faktoren ab, als dass sie in allgemeine Regeln und Anweisungen gefasst werden könnten. Strahl und Typus, Geschlecht und Evolutionsstufe müssen in Betracht gezogen werden, und dazu auch das harmonische Verhältnis [596] der Zentren. Damit meine ich die Überlegung, ob im einen Fall eine Überentwicklung, im anderen Fall eine Unterentwicklung besteht, ob die Kraft unterhalb oder oberhalb des Zwerchfells überwiegt, oder ob die Hauptenergie in der zentralen Ausgleichsstelle, im Sonnengeflecht, konzentriert ist. Die Qualität und der Glanz des Lichts im Kopf müssen studiert werden, denn das weist auf das Mass der Seelenherrschaft und auf die verhältnismässige Reinheit der Körperhüllen hin; die verschiedenen ätherischen Gewebe sowie der Schwingungsgrad des Gewebes und der Zentren müssen sorgfältig beachtet werden. Es muss eine zeitliche Übereinstimmung hergestellt werden, und das ist sehr schwer. Das sind nur einige von den Faktoren, die der Lehrer beachten muss, und es wird damit deutlich, dass nur ein Lehrer, der zusammenfassende geistige Schau erreicht hat und den Menschen «ganz» sehen kann - so wie er wirklich ist -, jene Unterweisungen geben kann, die den alten Rhythmus der Zentren umkehren, ohne Schmerz und Gefahr die schützenden Hüllen zerstören und das Kundalinifeuer von der Basis der Wirbelsäule zum Ausgang im Kopf emporheben.

Solche Lehrer findet der Schüler, wenn er sein Lebenswerk unter der Leitung der Seele durchgeführt, die Theorie der Wissenschaft von den Zentren begriffen, die Astralnatur und das ihr entsprechende Zentrum, das Sonnengeflecht, beherrscht und unter Aufsicht gestellt hat. Der Nachdruck, der vom Christentum auf die Herrschaft des Christusprinzips gelegt worden ist, hat eine sichere Grundlage für die Arbeit geschaffen, die noch geleistet werden muss. Diese Wahrheit wird in eigenartigerweise bestätigt, wenn man die Zahl «Acht» im Zusammenhang mit den Zentren studiert; diese Zahl ist - wie uns gesagt wird - die Zahl des Christus. Es gibt acht Zentren, wenn man die Milz mitrechnet, und alle sind ein Vielfaches von Acht, mit Ausnahme des Zentrums an der Basis der Wirbelsäule, das vier Blätter hat, also die Hälfte von Acht. In unserer Zeit und nach der westlichen Schreibweise ist die Zahl Acht das Grundsymbol aller Zentren, denn die Blätter sind wirklich in [597] der Form einer Anzahl von übereinander gelegten Achten angeordnet. Das Wort «Blatt» ist rein bildlich gemeint, und ein Zentrum ist nach diesem Muster gebildet. Zuerst ein Kreis: O; dann zwei Kreise, die einander berühren und damit eine Acht bilden: 8. Wenn die Anzahl der Blätter zunimmt, dann wächst einfach die Zahl dieser Doppelkreise, die in verschiedenen Winkeln aufeinandergelegt sind, bis wir zu dem tausendblättrigen Lotos im Kopf kommen.

Diese Zentren haben im Grund genommen eine zweifache Funktion. Sie führen uns den Formbildungsaspekt der Göttlichkeit vor und bringen durch ihre Tätigkeit die äussere Form ins sichtbare Dasein; gegen Ende des Evolutionszyklus hin bringen sie dann - sowohl im Makro- wie auch im Mikrokosmos - die Seelenkraft und das Seelenleben zum Ausdruck und führen zur Inkarnation eines voll geoffenbarten Gottessohnes mit allen geistigen Kräften und allem Wissen, das in der Göttlichkeit beschlossen liegt.

 

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